Emmi-Pikler-orientierte Baby- und Kleinkind-Gruppen

Emmi Pikler, die große ungarische Kinderärztin, die in Budapest von 1946-79 ein Waisenhaus leitete, hat uns mit ihrem Lebenswerk zwei Geschenke gemacht: Sie hat sehr früh die lebensbestimmende Bedeutung von ungeteilter Aufmerksamkeit und einfühlsamer Achtsamkeit im Umgang mit Kindern erforscht und bewiesen.
Sie wies ihre Pflegerinnen an, bei der Pflege der Kinder ganz ausschließlich und intensiv nur je mit einem Kind in Kontakt zu sein, ihm jeden ihrer Handlungsschritte anzukündigen und auf sein Verständnis der Situation und seine Mitarbeit zu warten.
Auf der anderen Seite hat sie herausgefunden, dass Kinder, die sich eine ausreichend lange Zeit in einer solchen Aufmerksamkeit gesonnt hatten, sich in einer anregenden Umgebung mit altersgerechten Spiel- und Klettergeräten selbstständig und auffallend gut entwickeln.

In den Emmi-Pikler-orientierten Baby- und Kleinkind-Gruppen öffne ich einen Erfahrungsraum für beides:
für einen ganz achtsamen, intensiven und klaren Kontakt mit dem Kind wie auch für ein vertrauendes, gewährendes, gelassenes Zusammensein mit ihm. Wir unterstützen die Kinder in ihrem Sein möglichst ohne direkt in ihr Tun einzugreifen, ihnen z.B. etwas beizubringen oder mit ihnen aktiv zu spielen. Selbst in der Interaktion der Kinder untereinander, wenn sie sich gegenseitig erkunden, anfassen, Spielsachen „austauschen“, lassen wir den Kindern den Raum, eigene Lösungen für ihr Miteinander zu finden und helfen oder schützen erst dann, wenn sie das nicht allein können – was viel seltener ist als wir Erwachsenen annehmen!
Wir nutzen die wunderschönen hölzernen Emmi-Pikler-Spiel- und Klettergeräte für die freie Bewegungsentwicklung und beobachten die Kinder beim Spielen und Erforschen ihrer Welt.

Darüber hinaus nehmen wir uns Zeit, die eigenen Gefühle, die das Leben mit Kindern hervorbringt, zu erfahren und zu bewegen. Und auch dafür, wie man mit starken Gefühlen des Kindes – Freude, Forscherlust, aber auch Wut, Schmerz, heftigem Weinen – umgehen kann. Alle Fragen um Stillen, Pflege, Schlafen, Spielen, Trennungen, Grenzen und emotionale Begleitung haben Platz. Dabei ist mir wichtig, den Eltern nie ein bestimmtes Konzept, ein „Richtig oder Falsch“ nahzubringen, sondern immer wieder einen Raum vieler Möglichkeiten zu eröffnen, aus dem heraus die ganz individuelle Lösung für dieses Kind, diese Familie, diesen Moment gefunden werden kann.